en passant - Balanceakt

Artistik pur - oder "Welch eine Pain", könnte man meinen. Ein AutoBlech mit Dellen kommt mir zuerst in den Sinn, halten die heutigen Autos kaum noch ein Räkeln auf der Motorhaube aus, geschweige denn ein legeres Herumhocken auf der selbigen. Denkt man an die Werbung, in der ein junger Mensch von Autodach zu Autodach hüpft wird mit sportlicher Aktivität von dem Vernunftsdenken abgelenkt und man bangt eher um den Menschen als um die Optik des Autos, geschweige denn der Wertminderung des einzelnen Fahrzeugs.

 

Aber nun zurück zu unserem Auto im Bild. Es ist ein weißes und steht perfekt für die statischen Übungen der Figur. Es parkt umgeben von freien Parkplätzen, was an sich schon ein Wunder ist.

 

Interessant auch die "Blickrichtung" der beiden Hauptakteure. Des Autos Richtung geht nach links, die Beugung der Skulptur nach links und somit entsteht für mich ein Gleichgewicht der Kräfte.

 

Die Skulptur selbst ist ein Werk des Bildhauers Henk Visch /2011 "Present Continuous". In diesem Bild erscheinen die 3,60 m Größe unwirklich, nein nahezu egal. Baum, Auto und Figur bilden eine eigene Einheit. Ich fühle mich wie in einem Varieté, in dem mit hoher Konzentration etwas Einmaliges vollführt wird. Und ich darf dabei sein.

Was noch ein Kraftakt scheint, könnte in der nächsten Sekunde in Leichtigkeit verwandelt werden und Schauer könnten mir den Rücken herunterlaufen ob der Unglaublichkeit.... Meine Phantasie geht mit mir durch - ich fühle mich gefesselt - den magischen Moment gleich erleben zu dürfen ...

  

Eine gewisse Utopie schwebt im Raum, Unwirkliches und Wirkliches gestalten hier das Bild.

 

Ein wilder Materialmix an Beton, Blech, Stahl, Teer und Glas verweben sich mit Natur - grün saftig, wachsend, lebendig, nicht wild wuchernd - gestutzt und geformt.

 

In diesem kleinen besonderen Ausschnitt erfreue ich mich an den wunderbaren horizontalen Linien, aufgelockert durch gewisse winkelbedingten Schrägen. Der rote Sehstrahl und der Stamm halten meinen Blick an und ich kann verweilen.

Ich mag das Bild, hatte ich bisher immer ein zwiespältiges Verhältnis bei der Betrachtung dieser Figur. Auch den Ort hatte ich bislang nicht gewürdigt. Natürlich war ich im Ägyptischen Museum und natürlich erschließt sich mir die Aussage dieser Skulptur.

 

Aber bedeutender für mich: Es ist genau die Stelle, an der ich die Straßenseite wechsle - entweder hineilend, um in die Architektur der Museen am Platz einzutauchen oder forteilend, voll mit Eindrücken, die mich bislang immer von diesem Moment abgehalten haben.

 


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Museen, Ausstellungen, sind Quell einer besonderen Welt: Raum, Kunst und Mensch vereint auf eine ganz besondere Weise. Mehr dazu gibt es in "KUNSTRAUM" zu sehen.

En passant - und davon mehr... liebenswürdige für mich besondere Bilder, die zuerst mich entdeckt haben und sich von mir mitnehmen ließen.


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