en passant - ein Bild von einer anderen Zeit

München, das wundervolle München, zu dieser Zeit sehr groß und leer. Ich eilte der Leere hinterher, konnte kaum fassen was ich sah, war entschieden versucht es nicht zu bewerten sondern einfach auf verschiedene Weise diese Impressionen einzufangen. Ich erinnere mich noch gut, die reflektierenden Schaufenster hatten es mir angetan. Darin spiegelte sich die unfassbare Schönwetterfront mit dem bayrisch blauen Himmel und den angeleuchteten Hausfassaden, Laternenstangen, selbst das Laub der wenigen Stadtbäume mühte sich ins Bild zu gelangen. 

 

Aus den Augenwinkeln in einer Passage, zu dessen Kern ich eilte - diese Farben. Diese wunderhübschen, kitschig und doch stilvoll anmutenden Möbel ach was sag ich Interieur....

So ganz von einer anderen Welt. Wen würde ich vermutlich gleich in die Szene kommen sehen.... Andre Hepburn, Doris Day... Etuikleid vielleicht in weiß, beige oder gelb? Schwarz wäre viel zu einfach. Und eine Perlenkette, ja die muss sein. Dann eine schmale Handtasche, eine Sonnenbrille und toupiertes Haar, blond oder braun  - egal. Vielleicht dürfte sie sich auch noch eine Zigarette anstecken. Mit kleinen aber bestimmten Schritten stöckelt sie auf farblich passenden Pumps zum Sessel, läßt sich grazil ins Polster sinken und schlägt die Beine auf die wohl eigens lang sehr langbeinigen Frauen genehme Beinhaltung, senkt den Kopf ein wenig, nimmt die Hand theatralisch an die Sonnenbrille um dann darüber hinaus direkt in meine Augen zu schauen.

Welch ein Schauspiel.

 

Die Farben sind außerordentlich gut aufeinander abgestimmt. Das Jadegrünblau in kühl angelegtem leicht spiegelnden Transparentlook  und das Langustenrostroserot - oder sagt man eher Lachs, nein Lachsfarben wäre frischer, durchbluteter  - welches durch die Volants und gefühlten Plissees greifbar einladend wirkt, läßt uns gleichzeitig sehnen nach Bequem und Ruhe. Ein seltsamer Kontrast. 

 

Die Möbelstücke scheinen sich aber auch ohne Besucher genug zu sein. Einander zugewandt, aufmerksam achtend, zuneigend hinhorchend. Ein schönes Paar, könnte man denken. Das seinen Rahmen gefunden hat.

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